Jana Chantelau

Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilPRaGe), Lerntherapeutin, Anti-Mobbing-Beraterin und Coach aus Berlin-Prenzlauer Berg.

Festnetz: (030) 897 509 26
E-Mail: j.chantelau@cooee.berlin

Aufräumen

Aufräumen

Aufzuräumen setzt die Bereitschaft zur Reflexion voraus. Und Gegenwartsbezug, Distanzfähigkeit, Entschluss- und Entscheidungskraft.

Denn einerseits stehen Entscheidungen darüber an, welche Objekte ihre Relevanz behalten, verändert oder verloren haben. Andererseits folgt darauf die Frage, welchen Platz man für etwas aufrechterhält oder neu zuweist. Die gute Nachricht ist, dass sich daraus meist eine selbstwirksame Strukturierung ergibt. Zum Beispiel, weil sichtbar wird, wie sich die teils persönlichen, teils gemeinschaftlich getragenen Interessen und Bedeutungsinhalte verlagert haben. Weniger als vorher behalten zu wollen bedeutet zudem, mehr Platz als bisher zu bekommen.
So gerät ins Bewusstsein, welche Gegenstände man an andere Menschen weitergeben mag – etwa, weil sie von ihnen zweck-gemäßer angewandt werden als von einem selbst und deswegen doch noch allseits Freude schaffen können. Vor diesem Hintergrund beurteile ich u.a., was mich be- oder ent-lastet oder ohnehin wenig ins Gewicht fällt, in welche Zusammen-hänge ein Objekt aus sich selbst heraus passt, ob es also einen prädestinierten Platz bereits gibt, ob oder wie sich etwas verändern würde, wenn ich einer Gruppe von Gegenständen einen neuen Raum zuwiese: Wäre eine Neuverortung eher gut oder eher schlecht?

Denn die Art, wie ein Zimmer genutzt wird, ist kaum zu trennen von den  „Dingen an sich“, die im Raum ihre Stelle bereits bezogen haben und gerade so auch wirken. Deshalb ist wichtig, den Über-blick darüber zu wahren, wie viel man von etwas will oder braucht, bis man – wortwörtlich genommen – „genug davon“ hat. So kehren Werte, die bleiben, prominenter als sonst in die Wahrnehmung zurück. Mit Bedacht beziehe ich bei alldem auch diejenigen ein, die die Räume mit mir gemeinsam „beleben“. Wenn ich zum Beispiel staunend feststelle, dass das Kinderspielzeug inzwischen fast überall ordentlich verortet ist, ist das zwar ein Kuriosum, aber mehr noch eine Abbildung meines gegenwärtigen Lebensrahmens. Als Patin eines Kindes kann ich nämlich zugewandt darüber schmunzeln, solange das Ausmaß keine Oberhand nimmt, solange sich der Schwerpunkt dieser Sachen trotzdem bloß auf einen Raum begrenzt und ich gewahr darüber bleibe, dass der Mensch allemal wichtiger ist als das, was im Jetzt und Hier beiseite liegt.
Ungeachtet individueller Entwicklungen, aktualisierter Ordnungssysteme und LOVOS-Lifestyles ist das Aufräumen ein Prozess, der stets wie neu zu beginnen scheint. Denn Gegenstände zu sichten und zu gewichten, zu sortieren oder auszusortieren braucht nichts außer Zeit, öffnet die Sichtachsen und Bedeutungs-tiefen und trägt dadurch dazu bei, das Alltagsleben nach Augenmaß im Lot zu halten.

„Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung.
Heute ist alles in Ordnung, das ist die Illusion.“
„Un jour tout sera bien, voilà notre espérance.

Tout est bien aujourd’hui voilà l’illusion.“ – Voltaire (1694 – 1778) –