Jana Chantelau

Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilPRaGe), Lerntherapeutin, Anti-Mobbing-Beraterin und Coach aus Berlin-Prenzlauer Berg.

Festnetz: (030) 897 509 26
E-Mail: j.chantelau@cooee.berlin

Ja/Nein-Fragen entscheiden

Ja/Nein-Fragen entscheiden

Sprachtheoretisch transportiert das Gesagte mehr als Worte. Denn meist wird der Informationsgehalt vom gefühlszentrierten Willen des Sprechenden flankiert. Da will wer was – oder nicht (mehr).

Zu reden, zu fragen oder beide Stilmittel gezielt zu kombinieren sind Ausdrucksformen davon. Sie gelingen zum Beispiel, indem man rhetorische Fragen stellt: „Sie sind nicht von gestern, oder?“  Oder man kann einen „illoktutionären Sprechakt“ produzieren – einen intentionalen Aussagesatz, der einen selbsterfüllenden Charakter in sich trägt: „Ich gehe davon aus, dass Sie bis Morgen das Problem gelöst haben werden“. Allerdings steht dem Gegenüber die Möglichkeit offen, mit „Ja“ oder „Nein“ darauf zu reagieren.

Wer bejaht, signalisiert allgemeinhein…

– …ein Maß an sozialer Kompetenz. Zum Beispiel durch die Bereitschaft, zugunsten anderer die eigenen Interessen phasenweise hintanzustellen

– …die Bereitschaft, persönliche Verantwortung zu schultern und die Verantwortung anderer mitzutragen. Zum Beispiel, indem parallel zu den eigenen Aufgaben zusätzlich die Aufgaben des Gegenübers bearbeitet werden – in Teilen oder im Ganzen

– …das Interesse, die entscheidungsrelevanten Abläufe selbst zu kontrollieren – bestenfalls in Form von Empathie, schlimmstenfalls in Form von Allmachtsfantasie.

Wer verneint, signalisiert allgemeinhein…

– …ein Maß an Souveränität. Denn meist geht damit einher, dass die Erwartungen anderer per se nicht gesättigt werden. Zum Beispiel, weil die angetragenen Offerten auf Ablehnung treffen, weil persönliche Einladungen ausgeschlagen oder Dialoge bewusst abgebrochen werden

– …anderen den Vorrang zu gewähren. Zum Beispiel, weil man aus den eigenen Abwägungen heraus zu einer abweichenden Art der Prioritätensetzung gekommen ist

– …die Fähigkeit, potentiell übergriffigem Kommunikationsverhalten Paroli zu bieten. Zum Beispiel, um die persönlichen Ressourcen zu schonen oder um sich auf die eigenen Arbeitsgebiete möglichst uneingeschränkt konzentrieren zu können. Zum Beispiel gelingt das, indem man die professionellen Zuordnungen unmissverständlich auseinanderhält und jedem Teammitglied latent zutraut, den jeweiligen Aufgabenbereich eigenständig zu bewältigen.

Um die Kompromisslinien zwischen beiden Positionen partnerschaftlich auszuhandeln, ist aus meiner Erfahrung heraus nützlich…

– …Aufgaben untereinander zu tauschen. Zum Beispiel dann, wenn sowohl der Zeitaufwand als auch der aufgabenspezifische Anforderungsgrad vergleichbar ist

– …dem Gegenüber situationsbezogene Einschätzungen anzubieten oder alternative Handlungswege aufzuzeigen. Zum Beispiel nützt das dann, wenn in der Organisationskultur bereits verankert ist, dass jedes Teammitglied für alle anderen mitdenkt und die interne Kommunikation die sachlichen Ebenen stärker addressiert als die emotionalen Zwischentöne

– …sich zu vergegenwärtigen, dass man sich und anderen eine Bedenkzeit einräumen kann, sofern die persönliche Positionierung noch unklar erscheint.

Denn die Lebenswirklichkeit im hoch technisierten Okzident entspricht keineswegs der schematisierten Haltung von Herman Melvilles Protagonisten Bartleby. Dieser Schreiber erwidert stets: „Nein, ich möchte nicht.